Der Autor, Herausgeber und Kurator Oscar Tuazon ist zunächst und vor allem einer der faszinierendsten und radikalsten Bildhauer seiner Generation. Tuazons künstlerische Praxis konstituiert sich über eine Art zeitgenössische bildhauerische Bastelei, die mit ihrer einfallsreichen Verwendung natürlicher und industrieller Materialien an die Arte Povera gemahnt. In der formalen Struktur und der Platzierung seiner Skulpturen und Installationen lassen sich zudem Anspielungen auf den Minimalismus und auf Künstler wie Richard Serra oder Sol LeWitt ausmachen.
Tuazons Umgang mit Rohmaterialien verleiht seinen Arbeiten eine Energie und Spannung, die ihn klar als Erben von Gordon Matta-Clark und Robert Smithson erkennbar machen. Seine Bewältigung dieser künstlerischen Nachkommenschaft ist allerdings gezeichnet von Konzepten, welche die zeitgenössische Kultur prägen: Gedanken des Niedergangs und der Zerstörung, der Regenerierung und der Neuordnung.
Eines der zentralen Anliegen von Oscar Tuazons Schaffen ist die Frage, ob und inwieweit persönliche Freiheit in Architektur manifest werden kann. Tuazons Praxis ist geprägt von einer Heimwerker-Ästhetik mit theoretischem Einschlag, und seine Arbeiten mit temporären Unterkünften, aufgefundenen Objekten und utopischer Architektur sind beachtenswert für ihren materiellen Erfindungsreichtum und ihre behelfsmässige Poetizität. Die Installationen sind das Werk eines Bastlers, der sich auf äusserst kreative Weise verschiedener Materialien wie Isolierband, Beton, Karton, Melaminbretter und PVC-Röhren bedient.